Last-Minute-Auslandskrankenversicherung: Policen aus dem Automaten?
Oktober 1st, 2002 von
krankenversicherung
Nicht nur in Reisebüros können Krankenversicherungen abgeschlossen werden. Nun kann man sogar Versicherungspolicen am Airport, sozusagen in allerletzter Minute vor dem Abflug, erwerben. Für rund 30% der Reisenden, die sich bei Buchung ihres Auslandsurlaubs keine Gedanken über die Folgen einer plötzlichen Krankheit oder eines unerwarteten Unfalls im Ausland machen, könnte die Last-Minute-Auslandskrankenversicherung quasi als letzte Möglichkeit sich gegen hohe Arztkosten im Ausland zu versichern ein attraktives Angebot sein. Denn die gesetzlichen Krankenkassen kommen in der Regel nur für Arzt- und Heilungskosten im Ausland auf, wenn mit dem jeweiligen Urlaubsland ein Sozialabkommen besteht. Nicht selten erkennen Auslandsreisende erst kurz vor der Abreise, das der Abschluß einer Auslandskrankenversicherung von Vorteil ist.
Dies haben scheinbar seit einiger Zeit verschiedene Reiseversicherer erkannt, indem sie den Kunden neue Wege und Möglichkeiten eröffnen, ihren Trip in die Sonne nicht zu einem Trip ins Ungewisse werden zu lassen. Ihr vorrangiges Anliegen sei es dabei, frischer, lebendiger und kundenorientierter zu werden, erklärt Adrian von Dörnberg von der Europäischen. Nicht immer haben Reiseversicherer den besten Ruf genossen, waren ihre Angebote der Reisekasse doch nicht immer sehr zuträglich und so verzichtete manch einer lieber ganz auf den umfänglichen Schutz gegen alle Eventualitäten.
Dieser Tendenz versuchen die Versicherungsanbieter nun auf zweierlei Weise entgegen zu wirken. Zum einen haben sie ihre Angebote den Bedürfnissen der Urlaubswilligen entsprechend modifiziert, das heißt es gibt nun neben dem Komplettpaket auch abgespeckte Versionen oder gar Einzelpolicen zu erwerben. Zum anderen verstehen sie Kundenfreundlichkeit auch ganz praktisch und gemäß dem Motto des Titels: Zeit ist Geld, nämlich indem sie die Zugänglichkeit zu besagten Versicherungen verbessern. Der Verkauf von Versicherungen an Bord des Fliegers oder am Automaten in der Wartehalle gewährleisten auch dem spätentschlossenen Urlauber eine Absicherung in letzter Minute. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich nun um den Schutz der Gesundheit der Reisenden selbst oder das „Wohlergehen“ des Gepäcks handelt – beide sollen unbeschadet den Zielort erreichen und auch wieder verlassen können.
Die veränderte Marktstrategie der Anbieter ist bereits sichtbar. So können Urlauber in München, Paderborn/Lippstadt, Münster und Dresden die elektronischen Policenverkäufer an den Flughäfen bewundern und benutzen, während die lebendigen Vertreter an Bord der Maschinen von Hapag-Lloyd, LTU und Eurowings angetroffen werden können. Was sich nun dort entweder mithilfe des Automaten oder der Flugbegleiter erwerben lässt, sind sogenannte Fly-Safe-Pakete, die in dieser Form an den üblichen Stellen wie z.B. dem Reisebüro nicht erhältlich sind. Sie sind genau zugeschnitten auf diejenigen 30% der Reisenden, die andernfalls keinen oder einen unzureichenden Versicherungsschutz gewählt hätten. Mit einer Last-Minute-Versicherung erhalten sie eine Kombination aus Reisekrankenversicherung, Notfallschutz und Gepäckversicherung, die sie europaweit 15 €, weltweit 25 € kostet. Ist die ganze Familie unterwegs, so belaufen sich die Kosten auf 30 bzw. 50 €. Das ist in der Regel nicht mehr, als man vorher im Reisebüro gezahlt hätte, wenn der Vergleich auch aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung der Versicherungspakete nicht problemlos ist. Hinsichtlich der Einzelpolicen lässt sich diese These jedenfalls bestätigen. So kostet ein Fly-Safe-Paket mit einer 14-tägigen Gültigkeit im Flieger 10 €, während sich der herkömmliche Erwerb allein einer Krankenversicherung mit Notfallschutz auf einen Preis von 11 € beläuft, wie Andrea Kunze, Vertriebsdirektorin der Hanse Merkur, erörtert. Abgesehen von einem möglichen finanziellen Vorteil für den Käufer trägt natürlich die zeitsparende, moderne Zahlungsweise per EC- oder Kreditkarte zu seiner Entspannung bei.
Letztlich muss angemerkt werden, dass auch bei dieser Idee, wie bei vielen anderen, Theorie und Praxis nicht zwingend deckungsgleich sein müssen. Die bisherige Erfahrung mit den neuen Verkaufsmethoden zeigt Folgendes: Reisende scheinen in der Luft kauffreudiger zu sein als am Boden. Jedenfalls läuft das Geschäft an Bord sowohl für die Europäische als auch für Hanse Merkur zu ihrer Zufriedenheit. Die Automaten hingegen erfreuen sich keiner so großen Beliebtheit und werden häufiger gemieden. Ein Ergebnis, dessen Gründe noch nicht hinreichend geklärt sind.
Unbelastet von diesem Problem ist etwa der Anbieter Elvia mit Sitz in München, der bislang nicht auf die veränderte Geschäftsidee angesprungen ist. Marketingleiterin Annette Sperling präferiert die bewährte Strategie, Reiseversicherungen dort zu verkaufen, wo auch die Reisen gebucht werden – im Reisebüro.
Welche Strategie ein Anbieter nun auch verfolgt, dem Kunden ist es jedenfalls künftig freigestellt, ob er für seine Sicherheit am Boden bleibt oder in die Luft geht.
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